Sommerabenteur – mit dem Mountainbike von Chur nach Livigno

Verrückte Ideen brauchen Zeit und etwas Mut. Ein Traum war es von mir schon lange mit dem Rad an einen meiner Lieblingsorte zu reisen. Dieses Jahr war es dann soweit. Die Tour führte mich mit dem Mountainbike von Chur nach Livigno. Ganz ursprünglich war das ganze mit dem Rennrad geplant, die Pässe, die sonst mit dem Auto gefahren wurden einfach mit dem Rennrad zu fahren. Aber das war mir dann doch etwas zu wenig. Wer mich kennt, der weiß dass ich die Natur liebe und mich lieber abseits der großen Straßen und des motorisierten Verkehrs bewegen will – so kam die Idee die Tour mit dem Mountainbike zu fahren. Doch wie sollte die Route aussehen? Tatsächlich den direkten Weg von Chur nach Livigno – was dann wieder viel Straße bedeute hätte und „nur“ ca. 80 km und 3000 hm? Oder doch eine andere Strecke? Nach einigen langen Planungsnächten kam dann eine reizvolle Route dabei heraus: Chur- Parpan/Lenzerheide – Urdenfürggli – Hörnlihütte – Arosa – Langwies – Strelapass -Davos (Tag 1 / 69 km / 3330 hm) – Dürrboden – Scalettapass – S-Chanf – Passo Casana – Livigno (Tag 2 / 56 km / 2200 hm). Gebucht wurde nur die erste Nacht am Freitag in Chur und danach der Urlaub mit der Familie in Livigno. Die Anreise nach Chur erfolgte mit der Bahn, was in Deutschland ja eigentlich schon Abenteuer genug ist.

Anreise nach Chur: Wie oben schon geschrieben buchte ich bereits im Vorfeld meine Reise mit der Bahn. Los ging es in Ulm, weil es verbindungstechnisch nicht anders ging. Die Bahn war pünktlich und wie üblich in der Ferienzeit überfüllt, was es mit dem Rad zu reisen dann etwas schwieriger machte, weil das Verständnis vieler Mitreisenden fehlte. Und ausgerechnet am wärmsten Tag der Woche funktionierte die Klimaanlage im Zug nicht – aber immerhin die Bahn war pünktlich und alles zu bekommen wäre ja dann doch Zuviel verlangt. Die Fahrt mit der DB ging bis nach Singen. Dort stieg ich in die Schweizer Bahn nach Zürich um- ab hier war das Reisen dann angenehmer. Der Zug war nicht mehr so voll und die Mitreisenden, gegenüber Radfahrern, schon deutlich toleranter. Auch ist die Schweizer Bahn was Radstellplätze angeht wesentlich besser ausgestattet. In Zürich musste ich nochmals umsteigen nach Chur. Hier hatten wir dann erstmals Verspätung, weil auch bei der Schweizer Bahn die Klimaanlage nicht funktionierte – das Problem wurde aber behoben und wir starteten mit 10 min Verspätung Richtung Chur, um am Ende dann doch wieder pünktlich an meinem Zielort anzukommen. Die Bahnreise war ein Erlebnis, machte Spaß und ich lernte interessante Menschen kennen. In Chur angekommen suchte ich meine Unterkunft. Geboten war eine Übernachtung mit Frühstück in einem mini Zimmer mit Etagen WC und Dusche. Naja für einen Nacht ganz ok – der Preis von 55€ war für schweizer Verhältnisse auch ok. Das Abendessen im selbigen Hotel war sehr lecker und zum Weiterempfehlen. Nach einem Glas Rotwein ging es dann auch recht zügig ins Bett, denn am nächsten Tag sollte die Tour frühzeitig starten.

Tag 1 – Die Wetterprognose war wahrlich nicht gut und die Nacht war sehr unruhig. In den frühen Morgenstunden, um 05:00 Uhr weckte uns ein Feueralarm im Hotel – der sich relativ schnell als Fehlalarm herausstellte. Frühstück gab es trotzdem erst um 07:30 Uhr. Nach kurzer Überlegung ob ich die Tour ohne Frühstück beginnen sollte und unterwegs einen Café und eine Kleinigkeit essen sollte, entschied ich mich noch bis zum Frühstück zu warten, schließlich hatte es das erste Teilstück schon in sich. Es mussten auf den ersten 20 km ca 2000 hm rein Bergauf bewältigt werden, von knapp 560 m auf ca 2600 m. So packte ich zuerst meinen Rucksack wieder, legte meine Beine nochmal hoch und frühstückte pünktlich um 07:30 Uhr. Danach ging es dann gleich in der Innenstadt von Chur los. Die ersten 13 km und ca 1000 hm relativ unspektakulär im Wechsel zwischen Asphalt, Schotterweg und flowig schmalen Waldtrails Richtung Lenzerheide. Bei der Hälfte der Strecke setzte dann auch das schlechte Wetter mit leichtem Regen ein – was ich in dem Moment aber eher als angenehm empfand – so war es doch nicht so heiß wie die Tage zuvor. In Lenzerheide angekommen mussten ich etwas von der Route abweichen, weil auf Teilen meiner Route der Mountainbike Downhill Worldcup stattfand. Also durfte ich hier, auf dem Weg von Lenzerheide auf das Urdenfürgli, ein paar Kilometer mehr einplanen. Nach einigen steilen Anstiegen im Wechsel von Schotterwegen und schmalen Singeltrails kam ich nach 3 h Fahrzeit auf dem ersten Pass, dem Urdenfürgli bei Nebel und leichtem Regen an. Kurz ein „Gipfelfoto“ gemacht und weiter ging`s über schöne technische Trails Richtung Hörnligrad und Hörnlihütte.  Auch auf diesem Weg musst ich einen kleinen Umweg einbauen, da der Hörnligrad wegen Bergsturzgefahr gesperrt war. Gut eine Stunde später, pünktlich zum Mittagessen, kam ich dann auf der Hörnlihütte an. Nach einem kurzen Stopp, inklusive leckerer Kartoffelsuppe und einem Milchcafé auf der Sonnenterrasse im Nebel, wurde die erste Etappe vorgesetzt mit einer schönen Abfahrt nach Arosa und weiter nach Langwies. Für die Abfahrt nach Arosa wählte ich Aufgrund des Wetters und der schlechten Sicht die einfachere Variante mit einem Mix aus Schotterpiste und Singletrails. Nach gut 25 min und knapp 600 hm Abfahrt kam ich bei Nebel in Arosa an, und entschied mich die letzten 600 hm im Downhill nach Langwies gleich weiterzufahren. Auf der Abfahrt wurde dann auch das Wetter immer besser, die Sonne kam heraus, so dass die Temperaturen deutlich Richtung 20 Grad anstiegen. In Langwies wurden am Brunnen am Bahnhof dann kurz die Wasserflaschen aufgefüllt bevor der letzte große Anstieg auf den Strelapass bevor stand. Die ersten beide Kilometer führten zuerstmal auf Asphalt der Fahrstraße Richtung Arosa aus dem kleinen beschaulichen Örtchen heraus. Dann führte die Strecke die erste Hälfte des 1100 hm umfassenden Anstieges auf breiten Schotterwegen vorbei an wunderschönen Almen Richtung Strelapass. Die zweite Hälfte des Anstieges zum Strelapass war sehr technisch und steil. An fahren war nach kurzer Zeit nicht mehr zu denken und das Rad wurde den Berg hoch geschoben und getragen. Oben angekommen war ich dann wieder im Nebel bzw. direkt in den Wolken, was mir als Gipfelbild wieder nur ein Nebel-Gipfelbild bescherte. Nach kurzer Pause begab ich mich dann auf die letzte Abfahrt vom Strelapass durch das Skigebiet vorbei an der noblen Schatzalp nach Davos, dabei wurde ich dann doch nochmal mit einem schönen Ausblick und Sonne belohnt. In Davos angekommen musste ich dann noch eine Unterkunft suchen. Je nach Budget gestaltet sich das etwas einfacher oder schwieriger, ich hatte Glück und wurde relativ schnell fündig.
Nach Bezug der Unterkunft ging es auch gleich zum leckeren Abendessen im Hotel, danach fiel ich nach  ca. 70 km und 3000 hm total müde ins Bett.

Tag 2 – Die Wetterprognose für diesen Tag war deutlich besser als die für den Vortag und auch meine Nacht war deutlich erholsamer. Um 06.30 Uhr wurde ich von meinem Wecker aus dem Schlaf gerissen, der mich daran erinnerte dass mir heute nochmal eine wunderschöne Tour mit dem Mountainbike bevorsteht. Beim Blick aus dem Fenster freute ich mich noch mehr auf diesen Tag – der Himmel war wolkenlos und die ersten Sonnenstrahlen erreichten auch schon Davos. Voller Vorfreude packte ich meine Tasche und ging dann zum Frühstück. Um 07:45 Uhr verließ ich das Hotel und ging mit dem Bike wieder auf Tour. Das erste Teilstück des Tage war wieder vergleichsweise einfach zu fahren und führte mich auf 15 km Asphalt und Schotterpiste mit 500 hm nach Dürrboden. Die Ausblicke auf die Bergwelt waren schon jetzt grandios und mit strahlend blauem Himmel bestückt. Weiter ging es auf ca 7 km und weiteren 700 hm auf einem schönen Trail hoch zum Scalettapass.  Auf dem Weg dorthin begegnet ich noch einer weiteren Mountainbikegruppe und zwei Wandergruppen, war dann aber nach kurzer Zeit wieder alleine unterwegs. Am Pass oben angekommen stand ich leider wieder im Nebel. Nach einem kurzen Gipfelbild ohne Aussicht, ging die Fahrt dann auch gleich auf einem schönen flowigen Trail weiter bergab über zwei Schneefelder Richtung S-Chanf. Der Downhill war lang und schön und nach den ersten 100 hm war dann auch wieder die Sonne da. So zeigte sich die Natur von ihrer schönsten Seite mit tollen Ausblicken auf die umliegende Bergwelt. Und wer nahezu unberührte Natur erleben will sollte diese Route mal wandern oder mit dem Bike erleben. Hier sind keine häßlichen Skipisten und technisch allzu schwierig war dieser Teil meiner heutigen Route auch nicht. Nach der Hälfte des Dowhills ging der Weg auf einer breiten, vom Militär genutzten, Schotterpiste weiter. Nach Durchquerung eines kleinen Dorfes durfte ich nochmal auf einen schönen Waldsingletrail einbiegen, der sich dann bis S-Chanf zog. Dort angekommen wollte ich mir bei einem Kaffee eine kleine Pause gönnen, allerdings war dies nicht möglich mangels geöffneter Lokalitäten. So fuhr ich wieder aus dem Dorf heraus und suchte mir etwas überhalb eine schöne Wiese, genoss die Sonne bei einem Müsliriegel und Wasser. Nach einer, doch längeren Pause ging die Reise mit dem letzten Anstieg auf den Pass Caschauna weiter. Die ersten 600 hm führten mich auf einer breiten Schotterpiste, die sich mit steilen Anstiegen und flachen Passagen abwechselte. Die zweite Hälfte des ca 1200 hm umfassende Anstiegs führte erst über eine große Weidefläche dann über eine sehr steilen und vom Schnee und Regen ausgewaschenen schmalen Weg auf den in 2695 m Höhe liegenden Pass Caschauna. Empfangen wurde ich auf dem letzten „Gipfel“ mit Sonne und einem kühlen Wind und einem schönen Ausblick auf die Schweizer- Italienische Bergwelt mit Ihren 3000er. Vor der letzten Abfahrt mit ihren 15 km und 1800 hm gab es endlich das lang ersehnte Gipfelbild mit Sonne. Die Abfahrt nach Livigno war technisch nicht sehr anspruchsvoll und führte die ersten 200 hm zuerst über einen gut ausgebauten Singletrail, dann den Rest auf breiten Forstautobahnen durch das von Touristen überfüllte Val Federia, nach Livigno. Im Dorf angekommen stärkte ich in meinem Lieblingsrestaurant „Why Not?“ bei leckerem Salat mit Bresuola und einem guten Bier bevor ich meine Unterkunft bezog und am späten Abend meine Familie in Empfang nahm. Nun konnte der Urlaub beginnen !

Alles in allem war es ein sehr schönes Abenteuer, die Anreise mit der Bahn war schon abenteuerlich aber auch schön, irgendwie kommt man schneller in den Urlaubsmodus und man kann viele verschiedene Leute kennenlernen. Was die Schweiz betrifft, alles in allem ein sehr freundliches und hilfsbereites Völkchen. Allerdings gefällt es mir nicht dass man an jeder Ecke „abgezockt“ wird. Dies geht schon los bei den Kosten für Unterkunft und Verpflegung. Für eine Übernachtung im Zimmer mit Etagendusche, Etagen-WC und Frühstück 55 € zu verlangen ist schon ordentlich. Wenn man dann in Euro zahlt wird nochmal draufgeschlagen und einfach 1:1 umgerechnet, was derzeit bei 100 CHF immerhin ca 10 € ausmacht, dies ging mir in allen Schweizer Ortschaftenso.  Was sich die schweizer Tourismusorganisationen zu Herzen nehmen sollten: In Orten wie Lenzerheide und Davos sollte mehr Rücksicht auf die Natur genommen werden. Nicht noch mehr Skilifte und Pisten bauen, nur damit der Wintertourismus befriedigt wird und noch mehr Massen in die Gebiete kommen. Ebenso sollten viel mehr Wege naturbelassen bleiben und nicht für die E-Mountainbiker ausgebaut werden.  Trotzdem würde ich diese Tour nochmal machen – auf den meisten Strecken war ich nahezu alleine unterwegs und konnten die volle Vielfalt und Ruhe der Natur genießen. 

Viel Spaß bei eurer Tourenplanung und bis bald.

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