Trailprojekt: Trail-Hütten-Tour Montafon- 3 sehr schöne Trail Tage mit vielen neuen (Grenz-) Erfahrungen

Man nehme drei fitte, hoch motivierte Läufer und drei Genusswanderer, die sich auf eine gemeinsame Reise machen….

…dabei ist folgendes Regelwerk zu beachten:

  • Gute Laune
  • Landschaft genießen
  • jeder trägt sein eigenes Gepäck (das Packen im Vorfeld war gar nicht so einfach :-))

Die erste Etappe führte bei schönstem Sommerwetter von Gaschurn über das Valschavieltal und das Gaschurner Winterjöchle zur Heilbronner Hütte. Die ersten 8 km auf einem Forstweg gingen steil bergauf durch das Valschavieltal, der Weg war gut zu laufen und ohne technischen Anspruch, bis er schließlich weiter Richtung Wormserhöhenweg führte. Wir bogen einen Bergpfad rechts ab in Richtung Heilbronner Hütte, der über das Gaschurner Winterjöchle führte. Dieser Pfad verlief 6 km durch ein  beeindruckendes Hochmoor, vorbei an schönen Seen und entlang der Vorarlberg-Tiroler-Grenze, mit Ausblicken auf den 2696m hohen Valschavielkopf und den 2604m hohen Stritkopf, hin zur Heilbronner Hütte, unserer erste Übernachtungsunterkunft.  Nach 2,5 Stunden Laufzeit, 14 km mit 1400 hm bergauf und 300 m bergab, haben wir unser erstes Ziel auf 2320m erreicht. Die liebevoll bewirtschaftete Hütte mit tollen Zimmern und sanitären Anlagen sind wirklich ein Ausflug inkl. Übernachtung wert. Wir mussten nicht allzu lange warten, bis unsere wandernden Begleiter an der Hütte eintrafen. Den Tag ließen wir bei Apfelstrudel mit Sahne, einem leckeren HP-Menü und interessanten Gesprächen ausklingen.

Der zweite Tag startete früh bei schönem Wetter auf einem Schotterweg von der Heilbronner Hütte zum Kops Stausee. Vom Kops Stausee ging es weiter über schöne Gebirgspfade vorbei an der Breitspitze, Breitspitzbahn zum Vallülasee. Von dort führte der Bergpfad immer wieder über große Geröllfelder mit kleineren Kletter- und Steigpassagen zur Scharte zwischen Kleiner Vallüla (2643m) und Vallüla (2813m). Hier war das Wetter schon nicht mehr gut und wir mussten einen Großteil der Strecke im Nebel und bei leichtem Regen bewältigen, was die Sache nicht einfacher machte. Nach einem kurzen Gipfelbild (2500m) im Nebel ging es dann einen schönen Bergpfad hinunter zum Silvretta Stausee (2037m). Wir nutzten hier das kurzzeitig regenfreie Wetter für eine kleine Pause, um uns kurz zu stärken, bevor es dann durch das Bieltal über den  Radsattel (2652m) zur Wiesbadener Hütte (2443m) weiter ging. Der Weg vom Silvretta Stausee durch das Bieltal führte zunächst auf einem breiten Schotterweg leicht bergan, dem Bieltalbach entlang. Nach 1,5 km wird aus der Schotterpiste ein schöner schmaler Bergpfad, der weiter dem Bieltalbach entlang auf den Radsattel ( (2652m) führte, dies sollte unser höchster Punkt an diesem Tag sein. Dort sahen wir auch zum erstmal die Berge, da sich der Nebel endlich verzogen hatte, zudem hatte man einen schönen Blick auf Piz Buin, Raukopfgletscher, Tirolergletscher und Vermutgletscher. Einem schönen Höhenweg folgend, ging es vom Radsattel bergab Richtung Vermutsgletscher zur Wiesbadener Hütte. Nach 23 km, 1700 hm bergauf /-ab und ca 5,5 Stunden Laufzeit haben wir uns mit einem großen und äußerst leckeren Kaiserschmarren belohnt und den Abend bei netten Gesprächen mit anderen Alpinisten, die sehr überrascht waren was man in Laufschuhen so alles machen kann, ausklingen lassen.

Durch das unstete Wetter war nicht sicher, ob wir die dritte Etappe wie geplant laufen können. Im Wanderführer wird darauf hingewiesen, dass die Route nur bei guter und stabiler Wetterlage zu empfehlen ist. Wir starteten bei Nieselregen und Nebel von der Wiesbadener Hütte durchs Ochsental auf der „Touri-Autobahn“ zum Silvrettastausee. Von dort an ging es dann wieder durchs Klostertal entlang des Klostertal Baches und durchs Verhuptäli steil bergauf auf den Litznersattel (2737m). Dieser Weg musste mit doppelter Vorsicht gelaufen werden, denn durch das feuchte Wetter saßen auf jeder Felsstufe Salamander. Auf dem Litznersattel angekommen ging es vorbei und über die Reste des Litznergletschers, wieder genauso steil bergab wie es aufwärts ging, bis zum Versorgungsweg der Saarbrücker Hütte (2538m). Dort angekommen entschieden wir uns die Tour wie geplant fortzusetzen. Es ging somit über einen kurzen Klettersteig, der ohne Sicherung bewältigt werden kann, wieder sehr steil bergauf zur Kromerlücke (2700m), hier wartete die erste große Herausforderung – der Abstieg zum Kromergletscher.  Es gab in den letzten zwei Wochen massive Steinschläge und Bergrutsche, so dass der Weg verändert war, bzw. gar nicht mehr existierte. Anders, als es noch bei der Besichtigung zwei Wochen zuvor war.  Die zweite Herausforderung lag in der  Überschreitung des Gletschers, dieser hatte keine Schneedecke mehr und war blankes Eis. Wir entschlossen uns den Gletscher soweit oben wie möglich zu queren, weil hier doch recht viele Felsen und Steine lagen, die man nutzen konnte um weiter zu kommen. Nach einer guten Stunde hatten wir diesen Gletscher unbeschadet überschritten und sind auf der gegenüberliegende Seite wieder (sicher) auf 2700m angekommen. Alle guten Dinge sind drei – es wartete nur noch die Überschreitung des Schweizergletschers, dies stellte sich als noch größeres Problem dar, da auch hier so gut wie keine Schneedecke mehr vorhanden war, die im Normalfall Halt gibt zum Überqueren des Gletschers. Zudem gab es auch hier massive Bergrutsche und das Geröll war sehr instabil, dennoch querten wir auch diesen Gletscher soweit oben wie möglich mit ordentlich (Sicherheits-)Abstand zueinander. Nach guten 1,5 Stunden haben wir den Gletscher überschritten und zum Glück sicher die Schweizer Lücke (2700m) erreicht. Von nun an führte uns der Weg nur noch bergab zur Tübinger Hütte, anfänglich etwas schwieriger über Geröll und zum Schluss auf einem sehr schönen Gebirgspfad, nach ca. 30 min haben wir dann die Hütte erreicht. Von dort ging es über den Sommerweg (ein sehr schöner Pfad) bergab auf den Versorgungsweg, welcher zur Tübinger Hütte führt. Wir liefen die ca. 12 km und 1200 hm locker bergab nach Gaschurn. Hier galt es nochmal die herrliche Landschaft und die schönen Ausblicke zu genießen, denn im Laufe unserer Tour wurde das Wetter immer besser, so dass wir bei Sonnenschein und 25 Grad wieder in Gaschurn angekommen sind. Die Laufzeit betrug 5,5 h für 30 km mit 1300 hm bergauf und 2400 hm bergab.

Völlig erschöpft, mit wackeligen Knien aber unglaublich glücklich, stolz und zufrieden ließen wir den Nachmittag im „Käse-Haus“ gemeinsam ausklingen, bevor wir uns auf den Heimweg machten.

Es waren drei sehr schöne Tage mit vielen neuen Erfahrungen. Grenzerfahrung hat in diesem Gebiet eine ganz eigene Bedeutung. Zum einen bewegt man sich ständig an der Landesgrenze Vorarlberg + Tirol entlang zum Anderen ging der letzte Teil der Strecke entlang der Schweizer Grenze…. Die Touren sind sehr Anspruchsvoll und man überschreitet des öfteren auch seine psychischen sowie physischen Grenzen.

Zum Schluss nochmals die Gesamtdaten der Tour:

3 Tage / 70 km / 4400 hm / Laufzeit 13,5 h

Die Tour ist nur für hochalpin erfahrene Läufer / Wanderer geeignet. Die eigentliche Wanderzeit beträgt gesamt ca 5 bis 6 Tage.

Meine Ausrüstungsempfehlung für die 3 Tage sieht folgendermaßen aus:

  • Schuhe: inov8 x-talon 212
  • Rucksack: inov-8 Racepro10 mit 2,5 l Trinkblase
  • inov-8 Windjacke
  • inov-8 Regenjacke /-hose
  • inov-8 Longtight (Base Elite)
  • inov-8 Short (Base Elite)
  • inov-8 Shirt (1/2-arm und langarm)
  • Mütze und Handschuhe
  • 2 paar Socken
  • kleines Handtuch + Duschgel, etc
  • Sonnencreme
  • Erste-Hilfe-Set
  • Riegel und Gel für 3 Tage (vielen Dank an LaufSinn Ulm für die Ausstattung)

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